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Neues zur Gebärmutterhalskrebsimpfung

Welch großen Nutzen eine flächendeckende HPV-Impfung hat, zeigt das Beispiel Australien:
Dazu Univ. Prof. Dr. Elmar A. Joura von der Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien: „In Australien ist ein sehr breites Impfprogramm bei Mädchen und jungen Frauen von elf bis 26 Jahren durchgeführt worden. Hier ist es in nur zwei Jahren nach Beginn des Impfprogramms zu einem Rückgang der Genitalwarzen um über 60 Prozent gekommen. Bei den Männern, die in Australien nicht geimpft werden, betrug der Rückgang immerhin 30 Prozent.

Vor kurzem ist eine Studie erschienen, die nachgewiesen hat, dass bei jungen Frauen in Australien jetzt auch die Krebsvorstufen am Gebärmutterhals rückläufig sind. Die wissenschaftliche Studie ist in der neuesten Ausgabe der angesehenen und oft durchaus kritischen britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" (18. Juni) erschienen. Sie ist der erste Bericht über einen Rückgang der Häufigkeit von hochgradigen Gebärmutterhals-Abnormitäten (bis hin zu einem noch nicht invasiven Karzinom) innerhalb von drei Jahren nach Einführung eines flächendeckenden HPV-Impfprogramms. Dieser Rückgang begann bald nach Beginn des Impfprogramms. Die Wissenschaftler hatten penibel die Häufigkeit solcher Zellveränderungen, welche dem eigentlichen Gebärmutterhalskrebs zeitlich (auch lange) voran gehen, durch Krebsabstriche dokumentiert. Die Studie erfolgte über einen Zeitvergleich vor und nach Einführung des Impfprogramms (2003 bis 2007 bzw. 2007 bis 2009). Die in Australien verwendete Vakzine verhinderte bereits in klinischen Untersuchungen rund 70 Prozent solcher Langzeitwirkungen. Jetzt liegt mit der "Lancet"-Veröffentlichung offenbar der erste handfeste Hinweis dafür vor, dass ein landesweites Impfprogramm einen signifikanten Effekt hat.

In Österreich erkranken jedes Jahr 500 bis 550 Frauen an invasivem Gebärmutterhalskrebs. Laut Statistik Austria sterben daran jährlich 150 bis 180 Patientinnen, meist im Alter unter 40 Jahren. Auf Österreich umgelegte Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen sogar von jährlich 600 Erkrankungen mit gar rund 300 Todesopfern aus. Außerdem müssen in Österreich Jahr für Jahr rund 5.000 Frauen ins Spital, weil bei ihnen – per Impfung vermeidbare – Vorstufen zu Gebärmutterhalskarzinomen entfernt werden müssen.

Die Wirkung von HPV ist heimtückisch, wie Univ.Prof.in Dr.in Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien, erklärt: „Eine Infektion mit HPV verläuft zunächst langsam, unentdeckt und ohne Krankheitsymptome, bis es schließlich zur Krebsveränderung kommt.“ Wiedermann-Schmidt weiter: „Fast alle Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs werden durch Infektionen mit HPV ausgelöst. Wenn es eine wirksame und sichere Impfung gibt, sollte sie auch eingesetzt werden.

Die HPV-Impfung verhütet Infektionen mit dem über sexuelle Kontakte übertragbaren Virus, das laut den Erkenntnissen der Wissenschaft hinter praktisch allen Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen steckt. Kondome verhindern eine Ansteckung mit Humanen Papillomviren (HPV) nur zum Teil, aber nicht vollständig. Während die Tests eine Früherkennung von Vorstufen bzw. Karzinomen erlaubt, wäre die HPV-Impfung eine echte Krebsverhütung. Österreich ist unter den EU-15-Staaten das einzige Land mit einer (HPV-)Impfempfehlung, aber keinem Kostenersatz. Bei 60 Mio. verabreichten Dosen der HPV-Vakzine haben sich bisher keine Nebenwirkungen gezeigt. Nach Berechnungen müsste man 729 Mädchen gegen HPV impfen, um einen Todesfall durch ein Zervix-Karzinom zu verhindern. 324 Mädchen müssten immunisiert werden, um Krebsvorstufen zu verhüten. Empfohlen ist die Impfung vor allem für Mädchen vor den ersten Sexualkontakten, aber auch bei wechselnden Sexualkontakten.

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